Ein Job, zwei Personen = mehr Fairness

"Jobsharing ist besonders interessant für Jobs, die nicht als teilzeittauglich gelten", sagen Anna Kaiser (rechts) und  Jana Tepe,
die Gründerinnen von Tandemploy.

 

Flache Hierarchien, Home-Office oder Arbeitszeit auf Vertrauensbasis. Es gibt viele Modelle, mit denen Firmen versuchen, ein Arbeiten auf Augenhöhe zu erreichen. Inwieweit kann das Modell des Jobsharing zu mehr Fairness im Job für Mitarbeiter beitragen?
Jana Tepe: Jobsharing bedeutet die enge Teamarbeit zweier Menschen auf Augenhöhe. Das ist erst mal eine ganz andere Art, Arbeit zu denken und zu organisieren, und sie bietet für Mitarbeiter neue Möglichkeiten – allen voran die Option, in jeder Lebensphase in spannenden und verantwortungsvollen Jobs zu bleiben. Das ist fair den Mitarbeitern gegenüber, die dadurch verschiedene Lebensbereiche deutlich besser in Einklang bringen können.


Für welche Mitarbeitergruppen ist das Arbeitszeitmodell Jobsharing besonders interessant?
Anna Kaiser: Für Mitarbeiter mit Jobs, die eigentlich nicht als teilzeittauglich gelten. Das können Marketingmanager sein, Vertriebler, Programmierer, Projektmanager oder Führungskräfte. Immer dann, wenn Mitarbeiter „typische Vollzeitjobs" haben, die als kaum flexibilisierbar gelten, kann Jobsharing eine tolle Alternative sein. Auch zur oft als Notlösung gewählten „vollzeitnahen Teilzeit" (= 80 Prozentstelle), die oft mit viel Stress und einer enormen Belastung verbunden ist.


Welche Vorteile bietet Jobsharing für Unternehmen?
Jana Tepe: Sehr viele. Natürlich doppelte Kompetenz und doppelte Erfahrung auf einer Stelle. Beim Jobsharing kommen verschiedene Stärken zusammen: Zwei Menschen können und sehen gemeinsam naturgemäß mehr als eine Person. Außerdem ist Jobsharing ganz klar eine Risikominimierung für Unternehmen. Das Wissen hängt nicht an einer einzigen Person. Wenn einer geht, ist immer noch einer da. Die perfekte Vertretung – ob bei Krankheit oder Urlaub – ist immer zur Stelle. Dadurch hat das Unternehmen deutlich weniger Ausfälle und spart Kosten.


Anna Kaiser: Durch den hohen Grad an Selbstmanagement der Jobsharer nimmt außerdem der Managementaufwand ab. Das merken wir gerade im eigenen Unternehmen sehr stark. Unsere Tandems organisieren ihre Zusammenarbeit weitestgehend selber und sehr eigenverantwortlich. Dadurch entsteht eine tolle Dynamik und Freude an der Arbeit, die im Endeffekt uns allen nützt.
Jana: Und Jobsharing ist nicht nur ein Weg, um Mitarbeiter in jeder Lebensphase zu halten. Es ist auch ein Modell, um neue Leute anzuziehen, die auf flexible Arbeit angewiesen sind oder sich diese explizit wünschen.

 

Wenn ein Unternehmen sich entscheidet, Jobsharing anzubieten, was muss es dafür tun und wie unterstützt ihr es dabei?
Anna Kaiser: Es muss sich als jobsharing-freundlich zu erkennen geben – gegenüber seinen Mitarbeiter aber natürlich auch gegenüber potentiellen Bewerbern. Dabei unterstützen wir Unternehmen mit unserer Plattform. Dort können sie sich als jobsharing-freundliche Arbeitgeber positionieren, ihre jobsharing-freundlichen Vollzeitjobs ausschreiben und natürlich auch Pendants suchen für Mitarbeiter, die ihre Arbeitszeit reduzieren möchten. Sie bekommen von uns ein Siegel als „jobsharing-freundlicher Arbeitgeber" und bei Bedarf auch einen Kick-Off-Workshop für ihre HRler und Führungskräfte. Unsere Kunden machen bisher sehr schöne Erfahrungen und bekommen Bewerbungen von Menschen, die über traditionelle Kanäle kaum auf sie aufmerksam geworden wären. Oft sind das sehr hochqualifizierte Menschen, die explizit nach neuen Arbeitsmodellen suchen.


Merkt ihr, dass die Nachfrage wächst? Und wenn ja, woran könnte das liegen?
Jana Tepe: Wir merken auf jeden Fall, dass die Nachfrage wächst. Das liegt vor allem daran, dass das Thema bekannter wird. Aber sicher auch daran, dass sich einige Probleme auf unserem Arbeitsmarkt zuspitzen: der Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen und Regionen, zunehmend alternde Belegschaften und steigende Burnout-Raten und Fluktuation zum Beispiel. Außerdem wandeln sich die Bedürfnisse der Arbeitnehmer immer stärker.

 

Kann man behaupten, dass in Unternehmen, die Jobsharing anbieten, Flexibilität, Fairness und Demokratie schon als Grundpfeiler verankert sind?
Anna Kaiser: Zumindest gibt es bei diesen Unternehmen eine Offenheit gegenüber neuen und flexiblen Arbeitsmodellen. Das ist eine wichtige und gute Grundlage für mehr Fairness und Demokratie.

 

„Der Job muss zum Leben passen" – Ist diese Grundidee von Tandemploy auch eine Grundphilosophie für eine erfolgreiche Personalpolitik?
Jana Tepe: Absolut! Wenn wir es als Arbeitgeber nicht schaffen, unseren Mitarbeitern lebensfreundliche Arbeit zu bieten, haben wir schon verloren.


Vielen Dank für das Interview!
Und natürlich teilen sich auch Jana Tepe und Anna Kaiser ihre Stelle als Geschäftsführung bei Tandemploy.

 

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