Thank God it's Monday

26/08/2014


Gestaltungsfreiheit im Job macht ziemlich glücklich. Das ist jedenfalls die Überzeugung der 32 Design Thinker der Berliner Agentur Dark Horse Innovation.

 

Unternehmen müssen dafür aber ihre Strukturen hinterfragen.

 

32 Absolventen der HPI School of Design Thinking haben die Agentur Dark Horse gegründet, ohne Chef und mit
drei Tagen Arbeitszeit pro Woche. „Wer innovieren will, muss radikal sein", sagen sie (Foto: Dark Horse).

 


Über 30 Leute können bei Dark Horse mitentscheiden und mitbestimmen. Wie soll das funktionieren?


Dark Horse: Unsere Firma funktioniert durch Gemeinsamständigkeit. Wir müssen weder als einzelne Selbständige alles alleine entscheiden und verantworten noch müssen wir uns als Angestellte Entscheidern unterordnen. Wir sind allesamt gleichberechtigte Gründer und Gründerinnen – wir sind alle Unternehmer in einem Unternehmen. Dass wenige Personen das Zepter an sich reißen, kann bei uns gar nicht passieren. Es fehlt dafür die Befugnis, das Verständnis der anderen und vor allem auch der Wille dazu.

 

"Einzelne Teams können autark über
ihr Projekt entscheiden"
 

Einzelne Teams hingegen können völlig autark über ihr Projekt entscheiden, vom Budget über Arbeitszeit und -ort bis hin zum Ergebnis. Wir haben ein starkes Vertrauen ineinander, richtige und sinnvolle Entscheidungen zum Wohle des Gesamten zu treffen. Die Souveränität der Teams sorgt dafür, dass wir agil und schnell arbeiten können, anstatt komplizierte Dienstwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig schärft die Möglichkeit wichtige strategische Unternehmensentscheidungen mitgestalten zu können die Wertschätzung, die Verantwortung und den Blick für das große Ganze.
 

Stichwort: Digitaler Wandel, dezentrales Arbeiten und auf allen Ebenen vernetzt: Was nutzen Sie für Technik, um den Überblick zu behalten, wer was gerade macht?


DH: Damit wir alle trotz unserer flexiblen und freiheitlichen Organisation immer gut informiert sind und miteinander kommunizieren können, nutzen wir eine firmeninterne Social Media Plattform. So können wir unsere Arbeit transparent machen, Fragen stellen, Antworten finden oder auch jemanden „Praisen" und Termine abstimmen. Und es ist zugleich unser virtueller Ort für Wissensaustausch – wir vernetzen unsere Erfahrungen und Erkenntnisse aus Projekten, posten aber auch die lustigsten Hundewelpenvideos oder Fotos vom letzten Sonntagsausflug.

 

Um aber wirklich wichtige Entscheidungen zu treffen und neues Wissen zu generieren, treffen wir uns trotz aller digitaler Möglichkeiten ganz analog bei uns im Büro oder gehen für Tage gemeinsam auf Klausur. 

 

Das klingt alles sehr organisiert und einfach. Sicher hatten Sie doch auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, als Sie angefangen haben, Ihren Traum-Arbeitsplatz aufzubauen?


DH: Am Anfang wollten wir vielleicht zu gleiche Gleichberechtigte sein, dadurch mussten alle immer wieder zum Wohle der Gemeinschaft ihre individuellen Bedürfnisse zurückstellen. Inzwischen haben wir ein weitaus flexibleres Modell gefunden – zum Beispiel um langfristig unsere Arbeitszeiten zu organisieren: Einmal im Jahr gibt es den so genannten Commitment Day, an dem jeder und jede entscheidet, ob er oder sie im folgenden Jahr Vollzeit, Teilzeit oder und lieber in einem anderen Unternehmen arbeiten möchte. So haben wir immer einen festen Kern, der für die Aufrechterhaltung der Organisation zuständig ist, ermöglichen uns aber gleichzeitig, woanders Erfahrungen zu sammeln, unser Netzwerk auszubauen und unsere Expertisen zu vertiefen. Langfristig kommt dieses neuerworbene Wissen schließlich immer wieder zu uns zurück.

 

„Beim Thema digitale Wissensgesellschaft
sind die Junioren die Senioren"

 

Am 12. September erscheint Ihr Buch "Thank God It's Monday". Darin zeigen Sie, wie jedes Unternehmen von den Ansprüchen der Generation Y profitieren kann. Was können Personaler von der Generation Y lernen?


DH: Die Generation Y zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie mit digitaler Vernetzung und mit dem Fokus auf individuelle Selbstentfaltung aufgewachsen ist. Der freie Austausch von Wissen über nationale und hierarchische Grenzen hinaus und die Möglichkeit immer wieder neu zu entscheiden und zu gestalten sind ihr selbstverständlich geworden. Mit dieser Haltung trifft sie nun in auf eine Arbeitswelt, die nur selten nach diesen Prinzipien funktioniert. Genau hierin liegt jedoch die Stärke der jungen Wissensarbeiter, denn sie möchten sich nicht diesen Bedingungen anpassen. Um diesen Wandel mitgestalten zu können, muss man alte Strukturen hinterfragen und neue Organisationsformen ausprobieren – hier kann die Generation Y mit ihren vermeintlich unverschämten Forderungen eine frische Perspektive einbringen. Auch wenn sie als Junioren in die Unternehmenswelt einsteigen, beim Thema vernetzte, digitale Wissensgesellschaft sind sie die Senioren.

 

Wie kann ein Unternehmen, das jahrzehntelang in traditionellen Arbeitssystemen arbeitete seine Arbeitskultur schrittweise ändern?


DH: Schrittweise ist genau das richtige Stichwort. Nicht jedes Unternehmen muss gleich den Chef abschaffen oder sämtliche hierarchische Strukturen nivellieren. Man kann durchaus im Kleinen anfangen, indem man seinen Arbeitsalltag hinterfragt: Wie kann ich etwas anders gestalten? Wer muss wann mit wem sprechen und auf welchem Wege, damit unsere Kommunikation besser funktioniert? Man könnte zum Beispiel neue Meetingformate ausprobieren: Ein Jour Fixe muss nicht unbedingt von einer Führungskraft moderiert werden und ein Meeting muss nicht immer zwei Stunden dauern. Und nine to five muss nicht unbedingt abgeschafft, aber vielleicht auch nicht fünf Tage die Woche durchgezogen werden.

 

"Nicht jedes Unternehmen muss gleich
den Chef abschaffen"


Hand aufs Herz: Macht Ihnen die Arbeit wirklich immer Spaß – und sind Sie tatsächlich glücklich, dass nach dem Wochenende endlich wieder Montag ist?


DH: Ganz klar: Jein. Auch bei uns gibt es unbeliebte Arbeit, die nun mal erledigt werden muss. Auch wir haben am Wochenende ein pralles Leben. Da wir aber „Das haben wir immer schon so gemacht" aus unserem Arbeitsalltag verbannt haben, sind die nervigen Aufgaben überschaubar, denn wir haben Sie an uns angepasst und nicht wir an sie. Und wenn wir uns nicht mehr auf den Montag freuen, wissen wir zwar, dass wir etwas ändern müssen – aber wir wissen eben auch, dass wir etwas ändern können. Diese Gestaltungsfreiheit macht schon ziemlich glücklich.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

Am 24. September werden Greta Konrad und Diemut Bartl von Dark Horse Innovation im Impulsmeeting "Thank God it's Monday – Wie die Generation Y die Arbeitswelt umkrempelt" das Organisationsprinzip der jungen Berliner Agentur näher vorstellen und laden zur Diskussion ein.

 

 

Über Dark Horse Innovation
 

Von der Nutzerforschung über Problemanalyse und Synthese bis hin zum Prototyp: Als Agentur für Innovations­entwicklung bietet Dark Horse ihren Kunden die Möglichkeit den kompletten Innovationsprozess an sie auszulagern oder gemeinsam zu bestreiten und so in kürzester Zeit neue Produkte und Services an den Markt zu bringen.
 

Daneben bietet die Berliner Agentur Unternehmen Innovationsberatung und Weiterbildung an, um ihre Organisation nachhaltig innovativer zu gestalten. Sie begleiten ihre Kunden bei Innovationsprojekten und helfen kulturellen Wandel zu beschleunigen. Damit geben sie sowohl ganzen Abteilungen als auch Einzelpersonen die Möglichkeit Innovationsmethoden zu erlernen.

www.thedarkhorse.de

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